Fotografie News - Landesverband Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern

  • 20.09.2021 Hintergrundwissen

    Gregor Sailer….

    …..und seine beeindruckenden Projekte



    Das schmelzende Eis eröffnet neue Schiffahrtsrouten in der Antarktis und bietet neue Perspektiven für die wirtschaftliche Erschließung des Kontinents. Das ewige Eis ist längst nicht mehr von Dauer. Kaum ein Gebiete auf dieser Welt ist so reich an Rohstoffen wie die Antarktis. Es ist bereits von einer Polar Silk Road die Rede. Nach dieser Wortschöpfung hat Gregor Sailer sein neustes Fotoprojekt benannt.

    Er kämpft sich bei bis zu minus 55° mit seiner analogen Plattenkamera von Motiv zu Motiv in und am Rand der Antarktis. Er folgt über 4 Jahre den Spuren der Zivilisation sprich dem was die Menschen in der Antarktis betreiben, vorantreiben, bereits aufgestellt oder hinterlassen haben. Architektur aus der Ölboomzeit der 70er Jahre beispielsweise. Er hat Forschungs- und Eiskernbohrungsstationen ebenso fotografiert wie Radaranlagen, deren wachsende Zahl auf eine Militarisierung des Nordens hinweist. Er dokumentiert die Folgen des steigenden Meeresspiegels und der zunehmenden Zahl starker Stürme in der Antarktis. Er war in 4 der 6 Anrainerstaaten der Antarktis unterwegs.

    Eine der neuesten Attraktionen in Kanadas Norden ist ein gerade fertig gestellter Highway. Die neue Allwetterstraße in Verlängerung des Dempster Highway von Inuvik nach Tuktoyaktuk bis an den Arktischen Ozean ist ganzjährig befahrbar. Es ist die erste ganzjährig nutzbare Straße zum Arktischen Ozean. Sie wird bereits touristisch vermarktet und hat erhebliches wirtschaftliches Potential. Die bekannten und vermuteten Bodenschätze am Beaufortmeer sind enorm.

    Russland macht seine territorialen Ansprüche in der Antarktis deutlich wie kein anderes Land. Es geht um die Absicherung bestehender oder auch wiederaufzunehmenden Gasförderanlagen, die militärisch geschützt sein wollen. Russland baut eine Militärbasis nach der anderen auf und aus. Für Russland ist die Nordostpassage von herausragender Bedeutung, die 2035 ganzjährig befahrbar sein soll.

    Klar das China als Nichtanrainerstaat auch ein Stück vom Kuchen abhaben will und versucht, mit Infrastrukturprojekten einen Fuß in die Tür zu bekommen. China kauft in Norwegen riesige Landflächen an, um Gestaltungsraum für seine Projekte zu haben. Nicht ohne Grund hat China die Bezeichnung „The Polar Silk Road“ geprägt.

    Der Kehrer Verlag hat seinen nüchtern oft etwas surreal wirkenden Fotos, die einen globalen Kampf um politischen Einfluss und wirtschaftlichen Zugewinn dokumentieren, der in Zeiten des Klimawandels so nicht mehr stattfinden sollte, einen Bildband gewidmet. Gregor Sailer bleibt mit seinem Antarktisprojekt thematisch auf einer Linie mit den vorangegangenen Projekten „Closed Cities“ und „The Potemkin Village“. Es geht um Architektur, die von politischen und militärischen Beweggründen motiviert waren oder sind. Er entlarvt „Kulissen, Fakes und Kopien“ wie der Kehrer Verlag schreibt. Kurz und zutreffend fasst der Verlag zusammen, was im Bildband „The Potemkin Village“ zu finden ist: „Gefechtsübungszentren in den USA und in Europa, detailgetreue Repliken europäischer Städte in China oder Fahrzeugtest-Städte in Schweden. Schließlich das klassische Potemkinsche Dorf in Russland, wo im Zuge eines Putin-Besuchs in Suzdal am Goldenen Ring und eines Dreifach-Gipfels in der Stadt Ufa ganze Straßenzüge mit Aufklebern, Tapeten und Planen maskiert wurden, um leerstehende Gebäude mit einer vorgetäuschten Betriebsamkeit zu versehen.“ Auf der Website des Kehrer Verlags findet ihr alles, was ihr braucht, um diesen bemerkenswerten Fotografen besser kennen zu lernen. Kehrer sei Dank! Und natürlich auf seiner eigenen….

    Christoph Linzbach

    https://www.gregorsailer.com/