Fotografie News - Landesverband Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern

  • 29.09.2021 Wettbewerbs- und Ausstellungshinweise

    Photopia 2021 ein Erfolg ohne Frage!

    Nach dem Spiel ist vor dem Spiel!



    Neubeginn, Probelauf oder Wiederaufbauprojekt? Die PHOTOPIA ist von allem etwas. Vor allem aber ist sie Ausdruck des Mutes und der Entscheidungsfreude der Veranstalter und ihrer Partner. Nach 18-monatiger Corona-Zwangspause hat die Hamburg Messe und Congress GmbH ihre erste Präsenz-Veranstaltung gestartet. Das verdient Anerkennung und höchstes Lob.

    Es ist bezeichnend für die aktuell nach wie vor schwierige Lage, dass für die PHOTOPIA eine Messehalle genutzt wurde, die bis Ende August zum Corona-Impfzentrum gehörte. Davon ist nichts mehr zu sehen. Stattdessen holten die Veranstalter mit 350 Schiffscontainern Hafenatmosphäre und hanseatisches Lebensgefühl in die Messehallen. Die Container waren die bestimmenden Gestaltungselemente der PHOTOPIA. Sie dienten als Stände, Wände und Gebäude für die Aussteller. Ein Stück gelungener Innenarchitektur, dass mächtig und unkonventionell zugleich wirkte ohne die Besucher und Aussteller zu erdrücken. Das wurde von der Schirmherrin der Modefotografin Ellen von Unwerth ebenso wie von vielen jungen Besucherinnen und Besuchern lobend hervorgehoben.

    Die rund 50 Aussteller kamen vor allem aus dem deutschsprachigen Raum, aber auch Unternehmen aus China, Belgien, Finnland und Polen waren vertreten. Die PHOTOPIA sollte deutlich mehr sein als eine Messe. Das Programm war vielfältig. Selbstverständlich bekamen die Hersteller der Imagingprodukte den ihnen gebührenden Raum. Wer zu den Vortrags- und Präsentationsflächen wollte, musste an ihnen vorbei, konnte sie dabei aber auch rechts oder links liegen lassen. Die Photopia wollte mehr sein als ein Abfeiern des Kommerzes und das ist ihr überzeugend gelungen. Nicht zuletzt, weil die Hersteller selbst viele spannende und anspruchsvolle Events anboten.

    Man kann von einem gelungenen Dreiklang sprechen aus neuen Produkten und Dienstleistungen, einem Potpourri von Ausstellungen, Mitmachangeboten für Besucher, Foto-Walks, Workshops im Bereich Film, Video und Imaging sowie einer Online Plattform für den Austausch und die Information. Und das alles in einer inspirierenden Umgebung. Unterschiedliche Erlebnisformate wurden angeboten. Kultur und Kunst kamen nicht zu kurz. Der schöpferische und kreative Geist der Branche und der Fotografen war in vielen Vorträgen und Präsentationen spürbar. Die Computer Generated Imagery (CGI) oder anderes ausgedruckt, dass ohne Kamera und Foto nur noch mit Programmgrafik erzeugte und vom Betrachter als Realität wahrgenommene Deckblatt des Ikea Kataloges wurde ebenso kritisch diskutiert wie der klassische von uns Fotografen so geliebte Druck des eigenen Fotos mit seiner wunderbaren Haptik und Präsens. Das Thema CGI Renderings in fotografischer Qualität ohne Kamera erzeugt wird auch unseren Verband noch beschäftigen.

    Auf drei gesondert ausgewiesenen Flächen mit einer Vielzahl von Bühnen wurde ein wahres Feuerwerk an Vorträgen und Präsentationen aufgeboten, dass für Profis wie Amateure gleichermaßen etwas bot. Die Creative Content Conference richtete vor allem sich an die Profis aber nicht nur. Aus eigener dreitätiger Erfahrung kann ich sagen, dass jeder der auf Berufsfotografinnen und Berufsfotografen ausgerichteten Beiträge mindestens gleich spannend für die Amateure war, die sich in diese Events hineintrauten. Die PHOTOPIA Stage sollte vor allem die ambitionierten Amateure bedienen so mein Eindruck, richtete sich aber mit Themen wie „Traumberuf Fotojournalist“ auch an zukünftige Profis. Die Container Stage bot viel für uns Amateure, aber mit dem gut besuchten und informativen Vortrag unseres Vorsitzenden Wolfgang Rau zu der Frage “Was bedeutet die DSGVO für Fotografen?“ wurden auch an diesem Ort Inhalte angeboten, die alle angehen.

    Die Aktivitäten des DVF wurden von dem Landesverband Hamburg koordiniert. Stefanie Matthiesen, die Vorsitzende des Landesverbandes hat im Vorfeld und während der PHOTOPIA hinter den Kulissen unermüdlich und sehr erfolgreich gewirkt, um die Präsenz des Bundesverbandes sicherzustellen. Zudem hat sie während der Veranstaltung bestens besuchte Foto-Walks durchgeführt. Zu dieser Leistung kann man nur gratulieren und Danke sagen!  Der Landesverband Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern war durch unseren Vorsitzenden Dr. Uwe Hantke vertreten. Besucher konnten unter seiner Regie Drucke ihrer Lieblingswerke erstellen lassen, die dann von dem Fotokünstler Manfred Kriegelstein besprochen wurden. Danke auch für ihren Einsatz! Die sehenswerte Ausstellung des DVF (Wettbewerbsfotografien „In Concert“) war leider versteckt zwischen Containern angesiedelt. Da sie nicht die einzige Präsentation gerahmter Drucke war, die unter diesem Manko litt, muss man wohl von einer bewußten Entscheidung der Veranstalter ausgehen, die nicht bei allen auf eine positive Resonanz stieß.

    Natürlich schwebte über der PHOTOPIA der Geist der Photokina, die aus meiner Sicht im Rückblick von vielen immer mehr verklärt wird. Der Vergleich ist aus einer Vielzahl von Gesichtspunkten unangebracht. Natürlich fehlten der PHOTOPIA (noch) die big Shots sprich die Vorstände von Canon und Co. Aber seien wir doch mal ehrlich. Was haben die auf der Photokina an substantiellen Aussagen von sich gegeben? Wer hat jemals mit einem Unternehmensvorstand sprechen können? Im Vergleich zur Photokina fehlten in Hamburg themenfremde Aussteller wie Modehäuser und Sparkassen. Was für eine Wohltat. Auch war die PHOTOPIA deutlich dialogischer angelegt, als es die Photokina zu ihren besten Zeiten war. Von Selbstbezüglichkeit war auf der PHOTOPIA nichts zu spüren. Ein gutes Zeichen.

    Alles konzentrierte sich auf das Thema Imaging und überall war zu spüren, dass man in die Zukunft und über den Tellerrand blicken wollte, um die Herausforderungen der Branche gemeinsam zu bestehen. Wenn wir Ende 2022 wieder in entspannteren Zeiten leben, werden die Veranstalter jeden Spielraum zur Weiterentwicklung nutzen. Da bin ich mir sicher. Das betrifft nicht nur die Preisgestaltung bei den Tickets sondern generell die Frage, wie man noch mehr Besucher nach Hamburg locken kann. Vielleicht werden ja auch die Ergebnisse der Besucherumfrage, die klug und differenziert angelegt war, veröffentlicht. Der Termin für die PHOTOPIA 2022 steht bereits fest. Sie findet vom 13.10. bis 16.10. 2022 statt. Unbedingt in den Kalender eintragen! Wir brauchen die PHOTOPIA!

    Christoph Linzbach