Fotografie News - Landesverband Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern

  • 13.10.2021 Hintergrundwissen

    Das letzte Foto….

    ....eines Porträts




    Ein Ausstellungsfoto, aufgenommen kurz bevor eines der wichtigsten Porträts des 20. Jahrhundert in der Neuen Nationalgalerie 1988 gestohlen wurde, wird zum ersten Mal in einem neuen Buch veröffentlicht. Das Porträt (1952) stammt von Lucien Freud und zeigt seinen Freund und Künstler-Kollegen Francis Bacon. Einen in sich gekehrten, nachdenklichen Mann, der der Welt in diesem Moment entrückt scheint. Bislang gibt es nicht den kleinsten Hinweis zum Verbleib des eher kleinen Gemäldes.

    Der Künstler starb im Alter von 88 Jahren im Februar diesen Jahres. Freud wurde 1922 in Berlin geboren und lebte mit seiner Familie am Matthäikirchplatz im Bezirk Tiergarten. Die Familie emigrierte 1933 nach England. Freud freundete sich mit Bacon in den 40er Jahren an, der ebenfalls eng mit Berlin verbunden war.

    Das Ausstellungsfoto lag im Archiv des Museums. David Scherf stieß auf das Foto während seiner Vorbereitungen seines Buchs „Lucien Freud: The Copper Paintings“ (noch nicht erschienen) . Der Kontaktabzug zeigte auf der Rückseite den Namen des Fotografen R. Friedrich 27 Mai 1988.

    Scherf sprach mit der Kuratorin der Ausstellung Andrea Rose und ihrem Ehemann dem Biographen Lucien Freuds William Feaver. Sie sagen, dass das Foto um 11.30 Uhr vormittags aufgenommen wurde, während der Diebstahl um 3.00 Uhr am Nachmittag gemeldet wurde. Möglicherweise lagen zwischen Aufnahme und Diebstahl nur Minuten, denn einer der Besucher sagte in der sofort eingeleiteten Befragung aus, dass ihm die Leerstelle bereits gegen Mittag aufgefallen sei.

    25.000 DM wurden 1988 für zweckdienliche Hinweise zum Verbleib in Aussicht gestellt. Der Verbleib des Bildes bleibt ein Mysterium. Obwohl im Jahre 2001 in Berlin stadtweit vom Künstler selbst plakatiert eine Belohnung von 300.000 DM angeboten wurde. “Would the person who holds the painting kindly consider allowing me to show it in my exhibition next June?” lautete der originelle Text der Suchanzeige. 2500 Plakate wurden in Umlauf gebracht.

    Der Künstler erlaubte nur Reproduktionen des Gemäldes in schwarzweiss. Nicholas Skrota, Direktor der Tate berufen im Jahr des Diebstahls, nannte das Gemälde “the most important portrait of the 20th century”. Es war eines von 2 Porträts die Freud von Bacon malte. Besonderes ungewöhnlich war, dass es auf  Kupfer gefertigt wurde. Das neue Buch von Scherf umfasst alle „Kupfergemälde“ des Künstlers Lucien Freud.

    Er sucht nach weiteren Ausstellungsfotos, auf denen das Gemälde zu sehen ist. Die Suche nach dem Gemälde geht natürlich auch weiter. Blain/Southern und die Tate bitte um Hinweise an info@blainsouthern.com und helen.beeckmans@tate.org.uk. Wer von Euch Hinweise hat oder das Bild 1988 entwendet hat, dem oder der kann geholfen werden.

    https://www.tate.org.uk/whats-on/tate-liverpool/exhibition/lucian-freud-real-lives