Fotografie News - Landesverband Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern

  • 02.12.2021 Hintergrundwissen

    Das Magazin Time hat seine hundert besten Fotos des Jahres 2021 ausgewählt

    Sind es auch Eure - Fragezeichen




    Es handelt sich um keine abgestufte Bestenliste, sondern um einen Sammlung von Fotos, die wichtige Momente des Jahres 2021 illustrieren. Es sind Bilder ausgewählt worden, die für den hohen fotojournalistischen Anspruch der Time stehen. Manche Fotos springen uns mit ihrer Botschaft regelrecht an, andere ziehen den Betrachter in eine kontemplative Stimmung hinein, die auf den ersten Blick unentschieden und unbestimmt erscheint. Zur Auswahl gehören der Jubel der Familie des George Floyd  über das Urteil der Jury, Taliban die in Kabul einmarschieren, der neu gewählte Präsident im Kreis von Anhängern oder Olivia Rodrigo im Westflügel des Weißen Hauses und vieles mehr. Die Sammlung destilliert ein Jahr zu einigen wenigen ikonischen Augenblicken.

    Die Fotos entstanden zunächst unter dem allgemeinen Eindruck, dass 2021 ein Jahr der Erholung werden sollte. Doch das Gefühl oder vielleicht besser gesagt die Hoffnung, dass es 2021 in vieler Hinsicht besser werden sollte als das Jahr zuvor verflog schnell und steht mit den aktuellen Coronanachrichten aus Südafrika und den dramatisch steigenden Zahlen auch in  Deutschland vollständig auf der Kippe. Das spiegelt sich in der Bildauswahl wider. Corona dominiert wie kaum ein anderes Ereignis das Lebensgefühl der Menschen über einen langen noch längst nicht abgeschlossenen Zeitraum. Bilder von Masken, Rettungsversuchen auf Intensivstationen und fehlendem Impfstoff werden gezeigt. Bilder aus anderen krisenbehafteten Bereichen des Lebens stimmen mit ihren Botschaften in die coronabedingte Grundstimmung ein. Fast durchgängig getragen von düsteren oft auch ambivalenten Botschaften.

    Natürlich spielt der journalistische Blick auf die USA in der Auswahl der Time eine wichtige Rolle. Der Angriff auf das Weiße Haus am 6. Januar ragt heraus. Es steht für den weltweit zu beobachtenden Druck, unter dem die klassischen Demokratien stehen. Eng damit verknüpft ist das nicht neue aber in unserer Zeit besonders virulente Phänomen der Fake News. Ein zentrales Anliegen des Journalismus muss  die Sichterstellung der Authentizität von Bildern sein. Die Herkunft und Echtheit fotojournalistischer Produkte, sprich die Abgrenzung zu gefälschten Bildern ist eine Überlebensfrage für die ganze Branche und für unsere demokratischen Ordnungen.

    Wir  Amateurfotografen können und wollen aus ästhetischen oder künstlerischen Gründen „Manipulationen“ akzeptieren, natürlich auch weil diese kaum mehr für den Betrachter erkennbar und damit identifizierbar sind. Unsere Sichtweisen dürfen durch und durch subjektiv sein. Eine Bestenliste wie sie die Time jedes Jahr publiziert ist tot, wenn die Echtheit der Fotos nicht mehr garantiert werden kann.  Von der Absicht der politischen Manipulation gefälschte und getragene Aufnahmen sind Sargnägel für das Streben nach Objektivität im Journalismus.  Es gibt mittlerweile eine Reihe von Initiativen, die sich mit diesem Thema beschäftigen:

    Die Profifoto hat 2020 über eine dieser Initiativen berichtet. Auf der Website des Vorhabens „ Content Authenticity Initiative“ ist folgendes zu lesen, was auf die Komplexität des Anliegens hindeutet:

     „The Content Authenticity Initiative is a group working together to fight misinformation and add a layer of verifiable trust to all types of digital content, starting with photo and video, through provenance and attribution solutions. We’re creating a secure end-to-end system for digital content provenance through open-source development, cross-industry collaboration, and interoperability of tools. Learn more about our secure workflow, following a piece of content from capture to edit to publish or sharing on social media below.“

    Welche Fotos haben mich besonders beeindruckt? Welche Fotos haben mich nachdenklich gestimmt? Hier meine Auswahl auch ohne Ranking.

    Das Foto einer alten Frau, Ritsopi Panayiota, auf einer griechischen Insel, die sich erschüttert zeigt von einer Feuerwalze, die auf eine der schlimmsten Dürren zurückzuführen ist, die Griechenland jemals erlebt hat. Fotograf  Konstantinos Tsakalidis.

    Fatima Shbair zeigt ein Kind eine Palästinenserin, die in ihrem zerstörten Wohnhaus in Beit Hanoun, Gaza am 24. Mai steht. Die Eskalation der der Gewalt fordert auf der israelischen Seite 12 Opfer während 250 Palästinenser getötet wurden. Angriffe der Hamas mit Raketen wurden von israelischer Seite mit Luftangriffen beantwortet.

    Der Ausbruch des Cumbre Vieja begann am 19. September. Asche bedeckt mittlerweile weite Landstriche. Ein Ende ist nicht abzusehen. Auf La Palma geht die Zerstörung weiter, gleichzeitig wächst die Insel.

    Eine Aufnahme von Ingmar Björn Nolting vom 19. September 2019 zeigt Armin Laschet und Angela Merkel, die die Nationalhymne auf einer Veranstaltung am Ende des Wahlkampfes mitsingen. Wem stellt sich beim Anblick dieses Fotos nicht die Frage: Was ist typisch deutsch? Was ist provinziell? Wie sehen uns die anderen, hier die Redakteure der Time?

    Macht euch selbst ein Bild!

    Christoph Linzbach


    https://time.com/6123078/top-100-photos-2021/

    https://www.profifoto.de/neuheiten/software/2020/10/06/content-authenticity-initiative-2/