Fotografie News - Landesverband Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern

  • 06.12.2021 Hintergrundwissen

    Ernest C. Withers (August 7, 1922 – October 15, 2007)

    Images of Black Life in the American South






    Er war Polizist bevor er als Fotojournalist seine Berufung fand. Und das in einer Zeit, in der die großen US-amerikanischen Verlagshäuser einen dunkelhäutigen Landsmann ungern engagierten. Eine Ausstellung „I`ll take your there“ und ein neues Buch „The Revolution of Black and White: Photographs of the Civil Rights Era by Ernest C.Withers“ zeigen das Leben und Leiden der dunkelhäutigen Menschen im amerikanischen Süden während der Civil Rights Movement in den 1950er und 1960er Jahren und illustriert das Werk eines ungewöhnlichen Fotografen. Er wurde bekannt für das Dokumentieren von 6 Jahrzehnten afroamerikanischer Geschichte in dem „rassengetrennten“ Süden der USA. Er schuf ikonische Fotografien vom Boycott der Buslinien in Memphis, dem Streik in den Gesundheitseinrichtungen der Stadt und der Musikszene in Memphis, die vom Blues und Soul geprägt war.

    Er war schon als Polizist eine Ausnahmeerscheinung unter den hellhäutigen Kollegen. Er gehörte zu den ersten 6 dunkelhäutigen Polizisten im Jahre 1948, nachdem er während des ersten Weltkriegs im Pazifik gedient hatte.  Zwar erhielt er eine Ausrüstung wie jeder anderer Polizist, durfte aber in Gegenden nicht patrouillieren, die überwiegend von weißen Bürgern bewohnt waren, geschweige denn weiße Verdächtige verhaften. Sein Revier war das „schwarze Memphis“.

    Auf der Website der FAHEY/KLEIN GALLERY ist das Foto eines dunkelhäutigen Vaters zu sehen, der mit seiner Tochter im Kinderwagen als Teilnehmer einer Demonstration gleiche zivile Rechte für schwarze Amerikaner einfordert. Ernest C. Withers hatte die beiden von einem Polizeiauto begleitet fotografiert. Die Anwesenheit von Kindern auf Seiten der Demonstranten sollte die Gefahr von Polizeigewalt reduzieren.

    Renee Andrewnetta Jones, die im Alter von 8 Monaten in diesem Kinderwagen gesessen hatte, sagte später: „To my understanding, my father, William Edwin Jones, made the sign himself. (…. ) He was a tall, stately man and as the police approached us, they had these intimidating looks, but my father wasn’t a man to be intimidated. A year after the picture was taken he was selected as one of the first black foreign service officers in the United States, posted with his family to Nigeria.“

    1955 saß Withers in einem Gerichtssaal in Sumner in Mississippi als der Onkel von Emmett Till gegen zwei weiße Männer aussagte, die eines Nachts in sein Haus eindrangen und seine 14jährigen Neffen mitnahmen. Er zeigt auf einen der Mörder. Der Richter hatte das Fotografieren verboten aber Withers machte seine Aufnahme. Eines der ersten ikonischen Fotos aus der Ära der Cicil Rights Movement in den USA.

    Mit tausenden von Fotos, die die ganze Bandbreite öffentlichen Lebens in Memphis abdeckte, angefangen von dem Verfahren gegen Emmett Till über den Aufstieg des Elvis Presley bis hin zum Mord an Martin Luther King, gehörte Ernest Withers zu den Pionieren afroamerikanischer Fotografen. Er arbeitete für die Time und viele andere große Magazine.

    In der Nachbetrachtung kann man sein Werk als Fotograf allerdings nicht anders als zwiespältig einstufen, weil er fast zwei Jahrzehnte als Informant für das FBI arbeitete. Er gab Informationen weiter über die Aktivisten der Civil Rights Movement. Das FBI hat 2010 Dokumente veröffentlicht, die den Beginn seiner Tätigkeit als Informant auf das Jahr 1956 datierten. Es wird vermutet, dass er dem FBI nur das sagte, was die Organisation hören wollte. Eher harmlose und belanglose Informationen. Das FBI beendete die Zusammenarbeit nachdem bekannt wurde, dass er seine Position nutzte, um einem jungen Schwarzen zu helfen, dem eine lange Haftstrafe drohte.  Seine Bezahlung kam der Ausbildung seiner 8 Kinder zu Gute.

    Der dokumentarische und politische Wert seiner Fotos bleibt davon aus meiner Sicht unberührt, aber darüber läßt sich natürlich streiten. In “Bluff City: The Secret Life of Photographer Ernest Withers” beschäftigt sich Preston Lauterbach vertieft mit dem „geheimen“ Leben des  Ernest Withers, einem Helden der Civil Rights Movement, der in „geheimer“ Mission für das FBI arbeitete. Die Ambiguitäten seines Lebens lassen sich nicht auflösen.

    https://www.abebooks.com/9780991541843/Revolution-Black-White-Photographs-Civil-0991541847/plphttp://www.faheykleingallery.com/press/the-big-picture-a-father-and-daughters-main-street-march

    https://thewitherscollection.com/

    https://www.exibartstreet.com/news/ernest-c-withers-ill-take-you-there/

    https://www.kulturkaufhaus.de/en/detail/ISBN-9780393358087/Lauterbach-Preston/Bluff-City-The-Secret-Life-of-Photographer-Ernest-Withers