Fotografie News - Landesverband Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern

  • Bild von Bessi auf Pixabay 22.07.2022 Fotografische Grundlagen

    Landschaftsfotograf:innen und ihr Himmel

    Eine ewige Herausforderung












    Viele Fotografi:nnen lieben großartige Landschaften unter einem beeindruckenden Himmel. Fast jedes Foto einschlägiger Facebook-Gruppen belegen diese Vorliebe. Der Himmel ist fast nie nur Beiwerk, sondern spielt für die Bildkomposition in der  Regel eine wichtige Rolle. Wolken, Sonnenlicht, Sonnenstrahlen und kräftigen Farben wird der Vorzug gegeben. Konturlose Himmel kommen nur dort zum Einsatz, wo sie zur melancholischen oder nebeligen Stimmung der Landschaft passen. Die Natur zeigt sich allerdings nicht immer so wie es Landschaftsfotograf:innen erwarte, was sehr frustrierend sein kann, wenn er oder sie  nicht ein zweites Mal an den Ort der Wahl zurückkehren kann.

    Landschaftsfotograf:innen sind ästhetisch unterwegs. Sie wollen unsere Sinne betören. Aus ihrer Sicht profitiert das klassische Landschaftsportät von einem wirkmächtigen Himmel. Wenn der Himmel sich ohne beeindruckende Wolkenformationen, hübsche Sonnenstrahlen und verlockende Farben zeigt, ist die Enttäuschung oft groß. Es gibt Apps, die helfende Hinweise zum „besten“ Himmel geben. Der Wecker wird auf eine Zeit vor Sonnenaufgang gestellt. Oder man bleibt vor Ort, bis die Dunkelheit einbricht. Verspricht die vorhergesagte Luftfeuchtigkeit Bodennebel? Wo geht die Sonne auf? Das Wetter können die Apps  noch nicht manipulieren. Die Natur ist immer für Überraschungen gut. Kurz vor Sonnenaufgang  verdrücken sich die Wolken, wie ärgerlich.

    Was ist zu tun? Es macht Sinn, an den Ort der Enttäuschung vielleicht sogar mehrfach zurückzukehren.  Das Licht und die Jahreszeit haben einen wesentlichen Einfluss darauf, wie wir eine Landschaft wahrnehmen. Im Urlaub muss man nicht ganze Landstriche abklappern, um möglichst viel zu sehen und zu fotografieren. Manchmal reichen 5 oder 6 gut ausgesuchte Locations, um mit beeindruckenden Fotos zurückzukehren. Liegt der Sehnsuchtsort weiter entfernt, ist umso mehr Planung erforderlich. Noch schwieriger wird es auf geführten Fotoreisen. Die können zu einem wahren Ärgernis mutieren, wenn die  Fotograf:innen von einer Location mit schlechtem Wetter zur nächsten begleitet werden. Ja, ja das liebe Wetter. Nordlichtertouren können eine besondere Art von Geduldsprobe sein. Ist der Himmel bedeckt, zeigen sich die begehrten Lichter nicht. Hier sollte man schon 2 Wochen einplanen.

    Das Mittel der Wahl für viele Fotograf:innen sind  mittlerweile Photoshop oder Luminar. Mit beiden Programmen ist man nur einige Klicks von einem schönen Himmel entfernt. Alternative Himmel sind im Programmangebot enthalten oder lassen sich im Packet dazu kaufen. Es ist müßig, dies als Manipulation zu beklagen. Allerdings muss man auf Lichteinfall, Farben und vieles mehr achten, um ein realistisch wirkendes Foto hinzubekommen. Das Ergebnis zählt.

    Welche Alternativen gibt es? Wenn der Himmel nicht passt, kann man ihn natürlich ganz vermeiden. Was nicht zu einer gelungenen Komposition beiträgt, kann man getrost aus dem Bild verweisen. Es gibt kein Gesetz, dass einen Himmel als Bestandteil eines Fotos vorschreibt. Landschaften bieten oft viele Elemente, die man statt eines Himmels verwenden kann. Man muss nur sehen und entdecken wollen. Ebenso kann man einen Himmel oder zumindest einen Teil des Himmels mit einem anderen Bildelement füllen. Es bietet sich an, einen Baum so ins Bild zu setzen, dass er den Himmel zurückdrängt. Der Himmel fällt nicht mehr so stark ins Auge. Er verschwindet hinter dem Blattwerk, dass das Auge des Betrachters stattdessen einnimmt. Es gibt spannenden Kompositionen, die wie ein Fenster wirken. Ebenso kann ein Baum, dessen blattloses feingliedriges Astwerk sich vom langweiligen Himmel abhebt, ein probates Mittel sein, um dem Himmel die Langeweile auszutreiben.

    Christoph Linzbach