Fotografie News - Landesverband Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern

  • 05.08.2022 Hintergrundwissen

    Cornwall und seine dunkle Geschichte

    5 Generationen einer Familie dokumentieren Schiffsunglücke in gefährlichen Gewässern




    November 1895. Eine kleine Gruppe von Sonntagsausflüglern, gut gekleidet mit modischen Hüten bedeckt steht oben auf den Klippen von Porthcurno. Eine Dame schaut durch ein Teleskop. Die Aufmerksamkeit liegt auf einem schönen Dreimaster, der unterzugehen droht. An Bord ist die Besatzung zu erkennen. Die Wellen schlagen bedrohlich hoch. Die Granite Slate sinkt.

    Die Zeitung The Cornishman berichtete: „Her masts seem to totter, her sails hang shroudlike… The picture might well be called, The End of a Voyage.“

    Außergewöhnliche Schiffsunglücke wurden von 5 Generationen einer Familie von den Scilly-Inseln festgehalten. Die Fotos datieren zurück bis zu den Anfängen der Fotografie.

    Dazu gehörte die Alexander Yeates, ein Dreimaster, der im Norden der Küste Cornwalls 1896 sank. Die Crew wurde mit Leinen gerettet, die mit Hilfe von Kanonen von den Klippen zum Schiff.geschossen wurden.

    Die Obsession der Familie mit Schiffsunglücken und Wracks begann mit dem in Irland geborenen John Gibson, der 1826 auf die Scilly-Inseln  zog. Im Jahre 1870 eröffnete er ein Fotostudio in St Mary`s. Er wurde Herausgeber der lokalen Tageszeitung und begann Berichte über Schiffunglücke zu schreiben und wann immer möglich, deren Untergang zu fotografieren.

    Die Tradition wurde in der Familie über Generationen weitergegeben. Einschließlich der Drucke, die in einem lokalen Buch- und Andenkenladen der Familie verkauft wurden.

    Ganz oben auf seiner List folgenschwerer Tragödien stand die Schiller, ein deutsches Dampfschiff, das vor dem Leuchtturm von Bishop Rock sank. 300 Menschen starben. Die Bay of Panama geriet 1891 in einen Schneesturm bei Falmouth. Eine hohe Welle schlug über das Schiff, zerstörte die Rettungsboote. Eine zweite Welle schwemmt 7 Menschen über Bord. Dazu gehörte der Kapitän und seine Frau.

    Sandra Kane eine geborene Gibson half ihren Eltern zusammen mit ihren Schwestern bei der Arbeit. Ein willkommene zusätzliche Einkommensquelle für die Familie. Drucke wurde an Zeitungen verkauft und waren wichtig für Versicherungen als Belege des Untergangs eine Schiffes. Manchmal kauften auch Kapitäne und Besatzungen der untergegangenen Schiffe Drucke. Später kamen Touristen als Käufer hinzu. Im hinteren Teil des Geschäfts wurden die Drucke zum Verkauf ausgestellt. Der Winter wurde genutzt, um die Drucke in einem mühsamen und arbeitsreichen Prozess zu fertigen. Die Kinder schrieben mit Bleistift den Namen des Schiffes, wo es gesunken war und das Jahr des Unglücks auf die Rückseite.

    Machmal reflektiert Sandra die Arbeit ihrer Familie: „The cliff patterns are just the same and you can almost see it in your mind’s eye…. Wow, they must have stood here and taken that picture….Then you think about the size and weight of the equipment, just the logistics of doing it in those days was very, very difficult.“

    Seit 2013 wird das Archiv der Familie, das Schriftgut von 1871 bis 1997 umfasst, vom National Maritime Museum in Greenwich verwaltet und gepflegt. 1800 Fotos von 200 Schiffen bilden den Kern der Sammlung. Der Kurator des Museums verantwortlich für maritime Technik Jeremy Michell beurteilt seinen Schatz wie folgt: „The wide subject range and human stories inherent in the events captured on camera by the Gibson family over 130 years make this an important collection.“

    Der Frachter City of Cardiff lief auf Grund in der Nähe von Land`s Ende März 1912. Das dazugehörigen Foto erzählt eine Geschichte von dem heldenhaften Agieren der Schiffsleute und der Rettungsmannschaft. „Volunteer brigades would fire rope rockets out onto ships so they could then winch people along a high wire across up to the cliffs.“ So der Kurator des Museums.

    Die Archivare des Museums haben die Drucke mit viel Aufwand konserviert, digitalisiert und katalogisiert. Schmutz und Fingerabdrucke wurden entfernt. Die von der Familie mit Bleistift vorgenommen Beschriftung sollten unbedingt erhalten bleiben. Noch ist das Werk nicht vollbracht, aber heute schon sind viele der Fotografien über die Website des Museum zugänglich.

    Jetzt ist ein wunderbarer Bildband mit dem Titel „Shipwreck: Gibsons of Scilly“ herausgegeben von  Carl Douglas und Bjorn Hagberg, der in Zusammenarbeit mit dem Museum erstellt wurde, im Handel erhältlich. 68 Schiffswracks werden gezeigt. Das Buch erzählt von Heldentum und Tragödien. Es bewahrt die Erinnerung an viele Unglücke und Schiffe, die bei weitem nicht nur unter britischer Flagge fuhren. Ein hochwertig gedruckter Band erfreut den Blick des Betrachters. Tragödien werden lebendig. Unglücke, die nicht nur für die Besatzung fatale Folgen haben konnten sondern auch für die Eigner der Schiffe, die Händler und die Angehörigen der Verunglückten. Dabei zeigen die Fotos so viel mehr als nur die Unglücke. Die Entwicklung der Seefahrt vom Segel- zum Dampfschiff wird dokumentiert, atmosphärische Seelandschaften werden gezeigt und nicht zuletzt wird eine beeindruckende Epoche maritimen Fotojournalismus zum Leben erweckt. Jedem Schiff wird eine kurze Beschreibung zuteil.

    Christoph Linzbach



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