Fotografie News - Landesverband Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern

  • 22.08.2022 Hintergrundwissen , Wettbewerbs- und Ausstellungshinweise

    Ein Zombie-Pilz gewinnt Fotowettbewerb

    Was die Evolution so alles hervorgebracht hat und geschützt werden muss





    Im Jahr 2022 nahmen Forscher aus der ganzen Welt am BMC- Fotowettbewerb Ecology and Evolution teil. Viele spektakuläre Fotografien wurden eingereicht, die die Wunder der Natur und die wachsende Notwendigkeit, sie zu schützen, festhalten.

    Die Siegerbilder werden vom  Herausgeber von  BMC Ecology and Evolution  und hochrangigen Mitgliedern des Redaktionsausschusses der Zeitschrift ausgewählt.

    Das Gesamtsiegerfoto mutet nach Science-Fiction an. Der  Fruchtkörper eines parasitären Pilzes, der aus dem Körper einer Fliege wächst. Roberto García-Roa, Evolutionsbiologe und Naturschutzfotograf der Universität Valencia (Spanien) und der Universität Lund (Schweden), hat dieses aufregende und bedrohlich wirkende  Bild im peruanischen Dschungel von Tambopata aufgenommen.

    Roberto erklärt, das “spores of the so-called ‘Zombie’ fungus (e.g. genera Ophiocordyceps) infect arthropods by infiltrating their exoskeleton and minds. As a result, parasitized hosts are compelled to migrate to a more favourable location for the fungus’s growth. Here, they await death, at which point the fungus feeds on its host to produce fruiting bodies full of spores that will be jettisoned to infect more victims—a conquest shaped by thousands of years of evolution.”

    Es klingt in der Tat nach Science Fiction, wenn Sporen des sogenannten ‚Zombie‘-Pilzes Arthropoden infizieren, indem sie ihr Exoskelett und ihren Verstand infiltrieren. Parasitierte Wirte werden gezwungen, an einen günstigeren Ort für das Wachstum des Pilzes zu wandern. Dort sterben sie. Der Pilz ernährt sich von seinem toten Wirt, um Fruchtkörper voller Sporen zu produzieren, die abgeworfen werden, um weitere Opfer zu infizieren.

    Eine spacige Parasiten-Wirt-Interaktion, die Leben und Tod in einem Bild vereint. Dichter und unmittelbarer kann man Tod und Leben in einem Bild nicht visualisieren.

    In der Kategorie „Beziehungen in der Natur“ ist ein Foto, dass  das eine Beziehung zwischen Pflanzen und Frugivoren zeigt. Es wurden von Alwin Hardenbol eingereicht.  Alwin sagte: „Böhmische Seidenschwänze ( Bombycilla garrulus) haben aufgrund der Beeren, die sie produzieren, eine starke Beziehung zu Ebereschen. Diese Wechselwirkung zwischen Pflanze und Frugivor ist so stark, dass diese Vogelart aufgrund des Vorhandenseins von Vogelbeeren migriert. In Jahren, in denen es in Finnland viele Vogelbåeeren gibt, wo ich dieses Bild gemacht habe, können die Seidenschwänze kaum wandern. In anderen Jahren können sie jedoch in großer Zahl West-, Ost- und Mitteleuropa erreichen, bis sie ihre geliebten Vogelbeeren erreichen. Seidenschwänze können mehrere hundert Beeren pro Tag essen, die das Doppelte ihres eigenen Gewichts überschreiten, was größtenteils auf die geringen Nährwerte von Beeren mit Ausnahme von Zucker zurückzuführen ist. Während diese Beziehung für die Samenverbreitung sehr vorteilhaft ist, ist sie für die Vögel nicht ohne Kosten. Wenn die Beeren überreif werden, beginnen sie zu gären und produzieren Ethanol, das Seidenschwänze berauscht, manchmal zu Problemen für die Vögel, sogar zum Tod.“

    Die Zeitschrift BMC Ecology and Evolution publiziert  Artikel zu einem breiten Themenspektrum, darunter Populationsgenetik, Naturschutzgenetik, Phylogenetik, Verhaltensökologie, Populationsökologie, Makroökologie, Paläontologie, Biodiversität (z. B. Umwelt-DNA-Ansätze), theoretische Forschung (z. B. Terraforming) sowie ökologische und evolutionäre Entwicklungsbiologie. BMC Ecology and Evolution trifft keine redaktionellen Entscheidungen auf der Grundlage eines möglichen politischen Interesses einer Studie oder ihrer wahrscheinlichen Auswirkungen. Studien müssen wissenschaftlich valide sein. Bei Forschungsartikeln umfasst dies eine wissenschaftlich fundierte Forschungsfrage, die Verwendung geeigneter Methoden und Analysen sowie die Einhaltung von gemeinschaftlich vereinbarten Standards, die für das Forschungsgebiet relevant sind.

    Christoph Linzbach

    https://bmcecolevol.biomedcentral.com/articles/10.1186/s12862-022-02049-y