Fotografie News - Landesverband Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern

  • 03.09.2022 Hintergrundwissen , Wettbewerbs- und Ausstellungshinweise

    Wenn die KI Preise gewinnt...

    …und werden die Juries zukünftig KI wie Photoshop als Mittel der Wahl akzeptieren?



    An dieser Stelle war mehr als einmal von der Künstlichen Intelligenz und ihrem Einfluss auf die Fotografie die Rede. Die KI gehört zu den Bereichen alltagsrelevanter Technologie, die in den vergangenen Jahren enorme Fortschritte gemacht hat.

    Der  Computer "Deep Blue" lies 1966 den russischen Schachweltmeister Garri Kasparow alt aussehen.  Das Schachspiel stellt längst keine Herausforderung mehr für künstliche neuronale Netzwerke dar. Sie zeigen sich hochkomplexen Spielen wie „GO“ gewachsen, haben gelernt, dass Spiel zu lesen, entwickeln Strategien und werden ganz sicher in Zukunft im Wege der Beobachtung in der Lage sein, sich die Regeln von Spielen anzueignen.

    Noch komplexer ist die Aufgabe, ein Bild auf der Basis einer Beschreibung zu generieren. Hier kommt einiges zusammen, dass den Grad der Komplexität nochmals steigert.  Die KI muss den Text analysieren, in einen Kontext einordnen und anschließend die gewonnen Information wieder in ein Bild zusammenbauen.

    In den USA hat sich ein Autor mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz bei einem Wettbewerb durchgesetzt. Die Reaktionen auf diesen Sieg waren vorhersehbar. Das Missfallen der sogenannten echten Künstler groß. Warum eigentlich?

    Das digitale Gemälde trägt den Titel  “Théâtre D'opéra Spatial” und stammt aus der Feder  US-Amerikaners Jason Allen, der das Programms Midjourney zum Einsatz bringt.

    John beschreibt den Aufwand, den er getrieben hat wie folgt: “I have been exploring a special prompt (Texteingabe) that I will be publishing at a later date, I have created hundreds of images using it, and after many weeks of fine-tuning and curating my generations, I chose my top three and had them printed on canvas“

    Er hat sich von der KI hunderte Bilder erstellen lassen, diese dann in wochenlanger Arbeit be- und ausgearbeitet und am Ende die besten drei ausgewählt, per Gigapixel-AI skaliert und auf Leinwand gedruckt. Warum dann der Neid, war doch der Autor ganz offensichtlich auch mit menschlicher Kreativität unterwegs?

    Die Jurie der Colorado State Fair fand das Gemälde preiswürdig  und vergab für “Théâtre D'opéra Spatial” in der Kategorie “Digital Arts / Digitally-Manipulated Photography” den ersten Platz.

    Wie gesagt, die „echten“ Künstler oder solche, die sich als Gralshüter der wahren, wahrhaftigen Kunst sehen, waren ziemlich sauer. Es werden rechtliche Argumente ins Feld geführt. Jason Allen macht keinen Hehl daraus, wie das preisgekrönte Werk entstanden ist. Die Jurie hält ganz offensichtlich das Werk für regelkonform. Von einer nachträglichen Aberkennung ist nichts bekannt.

    Allen merkt an, dass die Kritiker das Bild nach der Art der Herstellung beurteilen und das am Ende des Tages KI  genauso akzeptiert werde wie heute Photoshop.

    Allen sagt: „What if we looked at it from the other extreme, what if an artist made a wildly difficult and complicated series of restraints in order to create a piece, say, they made their art while hanging upside-down and being whipped while painting,”

    Christoph Linzbach





    https://coloradostatefair.com/wp-content/uploads/2022/08/2022-Fine-Arts-First-Second-Third.pdf

    https://petapixel.com/2022/09/01/ai-generated-artwork-wins-first-place-at-state-fair-enraging-artists/