Fotografie News - Landesverband Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern

  • 13.09.2022 Fototechnik

    Der Kameramarkt dreht sich um...

    …Objektive, Objektive und nochmals Objektive





    Ein ausgereiftes Kamerasystem zeichnet sich durch die Breite und Tiefe des Angebots an Objektiven aus. Die spiegellosen Systeme stecken aktuell in einem scharfen Wettbewerb. Die Fremdhersteller von Objektiven sind zu wichtigen Konkurrenten geworden.

    Die Verkaufszahlen der Kamerahersteller beinhalten weit mehr als nur Kameras. Der Erfolg des sich im Auslauf befindlichen Nikon F Systems war in der Verfügbarkeit eines breiten Angebotes an Objektiven begründet. Es geht vor allem um das Zubehör, und hier besonders um die Objektive. Nicht nur die Möglichkeit dass man die gewünschten Objektive kaufen kann, spielt eine Rolle, sondern von Relevanz ist auch die Frage der Langlebigkeit eines Systems. Die Ausgestaltung und Aufstellung eines Angebots sendet auch immer ein Signal an den Kunden, ob sein Investment von langer Dauer und Nutzen sein kann oder nicht. Zudem binden die Objektive den Käufer an ein System und versprechen dem Hersteller kontinuierliches Geschäft. Es wird eine Kamera gekauft, die Jahre ihren Dienst tun soll. Die Zahl der passenden Objektive, die der Käufer zu brauchen glaubt, ist in der Regel deutlich größer.

    Der Wert der Kamerasysteme mit Objektivbayonett ist trotz sinkender Verkaufszahlen relativ stabil geblieben. Im hochpreisigen Segment diese Marktes sind die Möglichkeiten, gutes Geld zu verdienen, in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Während die Verkaufszahlen für Objektive konstant geblieben sind. Die Originallinsen von Herstellern wie Canon und Nikon sind teuer, was hohe Gewinnmargen verspricht. Nikon beispielsweise zielt auf eine Verkaufsrate von 1 : 2 sprich auf den Verkauf einer  Kamera sollten möglichst zwei Objektivkäufe folgen. Natürlich wäre ein Verhältnis 1 : 5 deutlich besser, da mit Objektiven fast so viel verdient wird wie mit Kameras. Vielleicht steckt hier der Grund, warum Zoomobjektive besonders teuer verkauft werden. Ebenso ist klar, dass Objekte viele Jahre manchmal Jahrzehnte auf dem Markt sind, während der Produktwechsel bei Kameras viel schneller von statten geht.

    Es ist also das System, dass die Verbraucher anzieht. Die Verfügbarkeit von Objektiven und ein auf Dauer ausgerichteter Service sind entscheidend. Die Breite des Angebots übersetzt sich in Kameraverkäufe und Nachfolgekäufe von Objektiven. Es entstehen Langzeitbeziehungen zwischen Herstellern und Kunden. Diese  Markenbindung wird bei einem Systemwechsel in Frage gestellt wird. Für die Hersteller ist ein solcher Wechsel  eine kolossale Herausforderung, denn ein neues Kamerasystem mit einem breiten Angebot an Objektiven auszustatten, kostet Zeit und viel Geld. Der Umstieg von den Spiegelreflexkameras auf die spiegellosen Modelle ist aktuell der beste Beweis. Nikon und Canon unternehmen in diesem Kamerasegment seit 2018 erhebliche Anstrengungen, die von unterschiedlichen Strategien getragen sind.

    Doch zunächst waren Fujifilm und Sony damit beschäftigt, ihre System umzustellen. Sie hatten als Pioniere einen Vorteil und konnten Schritt für Schritt ein Angebot an Objektiven für Amateure und Profis aufbauen. Das rief auch die Dritthersteller auf den Plan. Canon stieg später ein, musste in der Bereitstellung neuer Objektive eine höher Geschwindigkeit vorlegen und ging damit auch ein höheres Risiko ein. Canon musste in Forschung investieren noch bevor die Gewinnmargen klar waren. Kein Problem für Canon angesichts seiner  Marktdominanz, die sich auf das neue System leicht übertragen lies. Eine Alternative hierzu ist die Bildung eines Konsortiums an Herstellern, die nicht in Konkurrenz miteinander stehen und sich gegenseitig mit kompatiblen Angeboten unterstützen. Die L-Mount Allianz von Leica, Sigma und Panasonic ist ein gutes Beispiel für eine Allianz, die für für eine Kamera passende Objektiven verschiedener Hersteller bereitstellt. Eine Strategie, die allen Kamerahersteller bleibt, ist Drittanbieter sofort mit an Bord zu nehmen, wenn das neue Kameraystem auf den Markt kommt. Sony ist diesen Weg gegangen. In kürzester Zeit entstand ein Portofolio an passenden Objektiven, dass Sony alleine nie in so kurzer Zeit zu so niedrigen Kosten hätte zur Verfügung stellen können.

    Aktuell zeigen sich Entwicklungen, die die unterschiedlichen Zugänge und Ansätze der Hersteller veranschaulichen. Dritthersteller von Objektiven stellen zunehmend hochwertige Produkte bereit. Zudem versuchen sie, Objektive  für möglichst alle Kamerahersteller auf den Markt zu bringen. Tamron steigt in das Nikon Z-System ein. Dies wird das Angebot an Objektiven für das relativ neue spiegellose System von Nikon vergrößern, und macht gleichzeitig Tamron als Hersteller attraktiver. Nikon scheint den eigenen Vorteil durchaus hoch einzuschätzen sprich eine Verbesserung des eigenen Marktanteils zu erhoffen. Canon dagegen hat Viltrox aufgefordert, die Entwicklung von Objektiven mit RF-Anschluss zu stoppen und eine Klage wegen Patentverletzung angedroht. Bei diesem Vorgehen  dürfte die Marktdominanz des Hersteller eine große Rolle spielen.

    Es bleibt spannend in der Welt der Objektive!

    Christoph Linzbach